Datenschutz bei Online Umfragen

Die Teilnahme an bezahlten Umfragen im Internet erfreut sich immer größerer Beliebtheit und wird gerne als kleiner Nebenverdienst genutzt. Doch wie steht es um die Sicherheit Ihrer Daten und Ihrer persönlichen Angaben innerhalb der Befragungen? In diesem Artikel beleuchten wir das Thema Datenschutz in Online Umfragen und klären über häufige Irrtümer auf.

Der Umgang mit Daten in der Marktforschung

Dem Thema Datenschutz wird mit der wachsenden Digitalisierung immer mehr Gewicht beigemessen. Eine erfreuliche Entwicklung, sind unsere persönlichen Daten doch ein schützenswertes Gut. Gleichzeitig nehmen immer mehr Menschen an Online Umfragen teil und das aus ganz unterschiedlichen Motiven. Nicht immer steht die finanzielle Vergütung durch die Teilnahme an bezahlten Umfragen im Vordergrund. Auch der Wunsch, die eigene Meinung zu äußern und Einfluss auf Entscheidungsprozesse zu nehmen, ist ein häufiger Grund für die Anmeldung in einem der zahllosen Umfrageportale, die inzwischen weltweit verfügbar sind. Das Kerngeschäft eines jeden Umfrageportals ist die Durchführung von Studien und Datenerhebungen zu allen nur erdenklichen Themenkomplexen. Für jede dieser Studien werden Daten unterschiedlichster Art benötigt, die die Teilnehmer in den Umfragen meist bereitwillig zur Verfügung stellen. Doch wie steht es um die Sicherheit dieser Daten, die zusammengesetzt ein mitunter klares Bild der einzelnen Teilnehmer zeichnen könnten?

Datenschutz und Marktforschung sind kein Widerspruch

Schon lange bevor die Gesellschaft durch Neuerungen wie die DSGVO für das Thema Datenschutz sensibilisiert worden ist, hat sich die Marktforschungsbranche mit diesem Thema konsequent auseinandergesetzt. Institutionen wie der Bund Deutscher Markt- und Sozialforscher oder auch die international tätige ESOMAR (European Society for Opinion and Market Research) zeigen klare Richtlinien auf, wenn es um den Umgang mit sensiblen und personenbezogenen Daten geht. So schreiben die Richtlinien des BVM zum Thema Online Umfragen aus dem Jahr 2007 klar vor, dass personenbezogene Daten wie Namen, Adressen oder Telefonnummern ausschließlich getrennt voneinander gespeichert werden dürfen. Eine Zuordnung untereinander ist ab diesem Zeitpunkt nur noch über einen vordefinierten Code möglich. Denn auch online erhobene Daten dürfen ausschließlich in anonymisierter Form verarbeitet werden. Dies schließt selbstverständlich auch die spätere Weitergabe dieser Daten an Kunden ein.

Angst vor unerwünschter Werbung?

Nicht jedem ist klar, dass Marktforschung und Marketing an und für sich nichts miteinander zutun haben. Natürlich werden die Ergebnisse einer Marktforschungsstudie mitunter auch dazu genutzt, Werbe- und Marketingmaßnahmen zu testen oder zu optimieren. Hierbei ist aber wichtig zu verstehen, dass sich dieses Vorgehen auf die ausgewerteten Daten beschränkt und es nicht darum geht, einzelne Teilnehmer zu identifizieren und ihnen Produkte oder Dienstleistungen anzubieten.

Darüber hinaus ist anzumerken, dass in der Marktforschung strikt zwischen Forschung und forschungsfremden Tätigkeiten unterschieden werden muss. Die in einer Marktforschungsstudie erhobenen Daten dürfen in keinem Fall für etwas verwendet werden, das nicht in direktem Zusammenhang mit der eigentlichen Forschung steht. Eine (zusätzliche) Nutzung der Daten zu Werbezwecken o.ä. ist somit ausgeschlossen und explizit untersagt.

[…]Die Teilnehmer von Access Panels dürfen auf Grund dieser Eigenschaft nicht mit gezielten Werbeangeboten und Maßnahmen der Verkaufsförderung konfrontiert werden. Das gilt nicht nur für interaktive Werbeangebote und verkaufsfördernde Maßnahmen, sondern für alle Formen der Werbung und Verkaufsförderung. Die Zusendung von Testprodukten zum Zwecke der Forschung stellt keine Werbung oder Verkaufsförderung dar

Richtlinien für Online-Befragungen des BVM, 2007

Sie brauchen also keine Angst zu haben, dass Sie nach der Teilnahme an einer Online Umfrage plötzlich mit unerwünschter Werbung überhäuft werden oder in einem Verteiler für Werbesendungen landen. Voraussetzung ist, dass es sich bei den Betreibern des Umfrageportals um ein deutsches Marktforschungsinstitut handelt oder die Betreiber Mitglied in einem Fachverband sind und entsprechenden Richtlinien unterliegen. Etwaige Mitgliedschaften können in der Regel auf den Internetseiten der Umfrageportale eingesehen werden.

Welche Daten werden überhaupt erhoben?

Die Themen Datenschutz und personenbezogene Daten sind teilweise sehr trocken und durchaus komplex. Die eigentlichen Fragen, die sich Panelmitglieder und potentielle Studienteilnehmer stellen, fallen dagegen häufig sehr einfach aus. Man möchte keine Paragraphen zitiert bekommen und die Regelwerke wälzen, denen sich Marktforscher und Felddienstleister unterworfen haben. Die eigentliche Frage, auf die die meisten unserer Besucher eine Antwort suchen, lautet: sind meine persönlichen Daten sicher?

Bevor wir diese Frage beantworten, möchten wir zunächst eine Gegenfrage stellen: welche persönlichen Daten sind hier gemeint?

Wir beschäftigen uns seit dem Jahr 2013 mit den Themen Marktforschung und bezahlten Umfragen. In dieser Zeit haben wir unzählige Marktforschungsprojekte betreut, Fragebögen studiert und selbst an Befragungen teilgenommen. In all diesen Jahren und den vielen hundert Fragebögen die wir gesehen haben, sind nicht einmal personenbezogene Daten erhoben worden. Keine Namen, keine Anschriften, keine Email-Adressen und auch keine Telefonnummern – ausgenommen hiervon sind forschungsrelevante Daten, wie es bei Produkttests nun einmal unumgänglich ist.

Bei der Anmeldung in einem Umfrageportal werden häufig personenbezogene Daten abgefragt. Namen, Anschriften, Email-Adressen und Telefonnummern – eben genau die Daten, nach denen wir innerhalb einer Umfrage nie gefragt werden. Diese Informationen dienen zur Validieren der Teilnehmer und werden auch für mögliche Rückfragen benötigt. So ist es beispielsweise nötig sicherzustellen, dass es nicht zu Doppelanmeldungen kommt.

Es ist wichtig, zwischen den allgemeinen Nutzerdaten eines Portals und den Teilnehmerdaten einer Befragung zu unterscheiden. Theoretisch ist eine Zusammenführung dieser Daten möglich – auch technisch (siehe Abschnitt zur getrennten Aufbewahrung weiter oben). Aber praktisch findet so etwas schlicht und ergreifend nicht statt. Nutzerdaten und Interviewdatensätze sind voneinander unabhängig und werden nicht zusammengeführt – Punkt.

Die Abfrage personenbezogener Daten

Sollte es in einer Umfrage wirklich einmal dazu kommen, dass personenbezogene Daten abgefragt werden, so sollte man hellhörig werden. Doch zunächst einmal stellt sich die Frage, was personenbezogene Daten überhaupt sind.

[…]Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person.

§ 46 Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz

Diese Formulierung ist alles andere als präzise und umfasst daher eine ganze Menge sehr unterschiedlicher Daten. Darunter: Name, Geschlecht, Geburtsdatum, körperliche Merkmale wie Größe und Gewicht, Haar- und Augenfarbe, Angaben zum Arbeitgeber, Mitgliedschaften in Vereinen, Wohnorte, Telefonnummern, Werturteile, Bankdaten, IP-Adressen, Fahrzeug- und Immobilieneigentum und und und. Wir wissen nicht wie es Dir geht, aber wir beurteilen einige dieser Merkmale als wichtiger und schützenswerte als andere.

Meine Email-Adresse möchte ich während einer Befragung nicht angeben. Genauso wenig wie meine Konto- oder Telefonnummer. Werde ich dagegen nach meinem Alter oder meinem Geschlecht gefragt, so beantworte ich diese Fragen ohne Weiteres – ganz automatisch. Es handelt sich hierbei streng genommen um personenbezogene Daten, die in 95% aller Umfragen abgefragt werden.

Worauf wir hinaus möchten ist Folgendes: benutze in erster Linie Deinen Verstand. Sämtliche Umfragen an denen Du teilnimmst sind freiwillig und unverbindlich. Wenn Du eine Frage nicht beantworten möchtest, aus welchen Gründen auch immer, dann brich das Interview im Zweifelsfall einfach ab. Wir können nur von unseren eigenen Erfahrungen berichten und die sehen so aus, dass wir in all den Jahren nicht ein einziges mal nach Informationen wie Email-Adressen oder Telefonnummern gefragt worden sind. Aber wenn es passiert wäre, hätten wir die Befragung abgebrochen und uns beim Betreiberunternehmen beschwert.

Unser Fazit

Persönliche- und personenbezogene Daten sind Sammelbegriffe für eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Informationen, die nicht immer auf einer Stufe stehen müssen. Es gibt Daten, die schützenswerter sind als andere und jeder sollte für sich selbst entscheiden, welche Informationen er weitergibt und welche lieber nicht. Wichtig ist, dass solche Abfragen grundsätzlich offen geschehen und nicht versteckt im Hintergrund ablaufen. Trotz aller Richtlinien und Gesetze ist den Umfrageportalen ein gewisses Grundvertrauen entgegenzubringen. Ebenso wichtig ist es aber, seinen Kopf einzuschalten und nicht leichtsinnig Daten preiszugeben, die man eigentlich lieber für sich behalten sollte. Das gilt nicht nur für bezahlte Umfragen, sondern für alle Bereiche des öffentlichen und auch des persönlichen Lebens.

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